Die alte Universitätsstadt Cambridge wächst immer mehr zu einem der stärksten europäischen Standorte für moderne Pharma- und Biotech-Forschung heran. Nach AstraZeneca hat nun auch der Pharmakonzern GSK entschieden, sein Forschungs- und Entwicklungszentrum nach Cambridge zu verlegen. Dafür schließt GSK – ehemals als GlaxoSmithKline bekannt – sein historisches R&D-Zentrum in Stevenage nördlich von London, wo bislang 1800 Menschen arbeiteten. Mehr als tausend Forscher sollen in den nächsten drei Jahren auf den Cambridge Biomedical Campus umziehen. GSK wird dort etwa 400 Millionen Pfund (fast 470 Millionen Euro) investieren, kündigte der neue GSK-Chef Luke Miels an. Es ist eine der ersten größeren strategischen Entscheidungen von Miels, der zum Jahresbeginn die langjährige Vorstandschefin Emma Walmsley abgelöst hat. Gleichzeitig kündigte er an, die Zahl der Arzneimittel in den klinischen Phase-3-Tests bis Jahresende auf zwanzig zu verdoppeln. Es handelt sich um Medikamente aus den Bereichen Onkologie, Hepatologie, HIV und Atemwegserkrankungen sowie Impfstoffe. Für Cambridge bedeutet die GSK-Entscheidung einen weiteren Schub. Um den historischen Uni-Campus herum haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Großunternehmen und viele Start-ups angesiedelt, vor allem aus den Bereichen Medizin, Biotech sowie Künstliche Intelligenz. Laut einer Schätzung sind dort inzwischen etwa 470 Biotech- und KI-Unternehmen tätig, die etwa 22.000 Mitarbeiter beschäftigen. Multinationale Konzerne und Start-ups Die Stadt der zweitältesten Eliteuniversität, rund hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegen, bildet mit Oxford und London das sogenannte „Goldene Dreieck“. Dort kooperieren Universitäten und Unternehmen in einem engen Netzwerk. GSK-Chef Miels unterstrich, dass die Standortentscheidung die Attraktivität des britischen „Ökosystems in der Life-Science-Forschung“ stärke. Mehr als ein Dutzend multinationaler Unternehmen sind in Cambridge aktiv, darunter Amgen, AstraZeneca, Gilead, GSK, Pfizer, Takeda und Johnson & Johnson. AstraZeneca, der größte britische Pharmakonzern, hat 2021 nach siebenjähriger Bauzeit sein Forschungszentrum DISC (Discovery Centre) eröffnet, das mehr als eine Milliarde Pfund kostete. Dort arbeiten mehr als 2000 Mitarbeiter an der Entwicklung und Vermarktung neuer Medikamente. Zu den wichtigsten jüngeren Unternehmen zählen Abcam, einer der global führenden Anbieter von Antikörpern, der für fast sechs Milliarden Dollar vom US-Konzern Danaher übernommen wurde. Hinzu kommt GW Pharmaceuticals, ein Pionier für Cannabis-basierte Arzneimittel, den vor fünf Jahren Jazz Pharmaceuticals für mehr als sieben Milliarden Dollar aufkaufte. Bicycle Therapeutics, ein Entwickler von Krebstherapien, hat ebenfalls eine Milliarden-Bewertung erreicht. Der Cambridger Antikörper-Entwickler Kymab, gegründet aus dem Wellcome Sanger Institute, wurde für mehr als eine Milliarde Dollar von Sanofi übernommen.
